Die Geschichte von PrisonTV

Fragst du dich auch, warum es mit der Welt immer weiter bergab geht? Warum wichtige Persönlichkeiten und reiche Menschen immer seltener auf der Bühne stehen?

Die Zukunft hat begonnen

Seit der ersten Mondmission hat die Öffentlichkeit auf der Erde viel verpasst. Es wurden Dinge auf dem Mond gefunden, die man sich kaum zu träumen wagt. Technologien, die einen unheimlichen Sprung der Wissenschaft und Technik ermöglicht haben und ein Bevölkern des Weltraums möglich machten.

All das wurde in den 70ern verfolgt und umgesetzt. Zum Leid der unwissenden Öffentlichkeit, war die Leitung dieses Vorhabens der Überzeugung, dass die wenigsten Menschen ein Teil dieser glorreichen Zukunft sein sollten. Reichtum, Prominenz und Intelligenz, dies sind Eigenschaften, die einen Menschen mit Würde auszeichnen. Wer braucht lästige Anhängsel, wenn alles maschinell geregelt werden kann?

Zweiklassengesellschaft

Während die Erde und die dort lebende Bevölkerung ihrem sicheren Ende entgegensteuerte, breitete sich im Weltall immer schneller die selbsternannte „Erste Klasse“ aus. Bei unendlich vielen Variationen von Verschwörungstheorien auf der Erde, fiel es auch nie besonders schwer, dies geheim zu halten. So kam es dazu, dass bis heute kein Erdbewohner Kenntnis über diese Parallelgesellschaft im All erlangt hat.

Aber Mensch bleibt Mensch, auch der Weltraum blieb vor dem Kapitalismus nicht verschont. So schaffte es die Firma Thunderbolt bis zum Ende der 90er ein Kapital anzuhäufen, von dem man sich die Erde zirka siebenmal kaufen könnte. Im selben Jahrzehnt gründete Thunderbolt, unter der Führung von Lalia Nyberg, eine Tochterfirma für mediale Präsenz. Sie trägt den Namen „Thunderbolt Exclusive Content“. Aus Nostalgie und gleichzeitigem Spott, hängte man eine einfache Eins an, eine Anlehnung an primitive Fernsehsender der Erde. TEC1 war geboren.

Für TEC1 war es relativ einfach, eine Monopolstellung im Mediensektor zu erlangen. Verwunderlich war das auch keinesfalls, welches anderes Unternehmen konnte sich schon einen eigenen Planeten nur für Dreharbeiten leisten?

Bis zum Jahr 2020 produzierte TEC1 insgesamt 221 Blockbuster, 98 Action-Krimis und 26 Thriller-Komödien. Alle waren Erfolgshits und in den Allweiten Top-10-Listen vertreten, meistens Platz eins.

Der Zwischenfall

Zur finanziellen Bereicherung von TEC1, wurden freie Flächen des Konzerneigenen Planeten an andere Firmen vermietet. Auf einer alleinstehenden Insel, weit vom Festland entfernt, siedelte sich ein Forschungskonzern an. Wegen des vielversprechenden Gewinns unterstützte TEC1 jegliche Baumaßnahmen auf der Insel.

So wurde die Insel mit der Zeit zu einer kleinen Utopie, im mittlerweile recht eintönigem All. Der Konzern baute für die Forschenden gemütliche Dörfer im altmodischen Stil. Eine einzige kleine Stadt, Samobor, galt als Mittelpunkt des alltäglichen Lebens. Vor allem aufgrund der im Untergrund liegenden Forschungseinrichtung, in der die allermeisten Bewohner der Insel arbeiteten.

Viele Jahre vergingen, Gelder flossen und neue Innovationen kamen hervor. Im Jahre 2020 fand dieses Vorhaben allerdings ein plötzliches Ende. Ein Experiment, welches mit einem künstlich erschaffenen Virus infiziert war, entkam der Abteilung Biotechnologie und schließlich auch dem Untergrund Samobors. Es dauerte keine 8 Stunden, bis die unvorbereitete Stadt im Chaos versank. Zum Leidwesen aller vertraute TEC1 dem Unternehmen zu sehr und bekam deshalb erst weitere 4 Stunden später davon mit.

Ab diesem Zeitpunkt dauerte es keine 30 Minuten, bis die ersten mechanischen Pioniere der militärischen Abteilung von Thunderbolt auf der Insel landeten. Innerhalb 24 Stunden war die Insel mit Bunkeranlagen als Zentralen bestückt und vom Rest der Umwelt abgeriegelt. Der Konzern nutze alle vorhandenen Kampfmittel, um den Ausbruch einzudämmen.

Als klar wurde, dass alle relevanten Überbleibsel des Forschungsunternehmens geborgen wurden und die Infektion sich nicht über das Meer ausbreiten würde, wurde die Eindämmung unterbrochen.

Zurückgelassen wurde sämtliche Einrichtung und das Wachpersonal, inklusive maschineller Unterstützung.

Der Start von PrisonTV

Im Laufe der Jahre hatte sich die erste Klasse zunehmend gefestigt. Das Leben im All und auf fremden Planeten normalisierte sich für diesen Teil der Gesellschaft, während die Erde und ihre Bewohner, immer mehr zu einem ausbleichendem Schleier der Vergangenheit wurden.

Technologischer Fortschritt bringt auch seine Nachteile, was tun, wenn Maschinen jegliche Arbeit verrichten, wenn alles, was man sich wünscht per Drohne zur Tür geliefert wird? Das Leben normalisierte sich zu einer nie da gewesenen Monotonie.

Der Medienkonzern TEC1 war sich dieser Umstände bewusst und machte sich diese zum eigenem Nutzen. Sie planten eine Liveshow, nach einem bewährtem Konzept. Eine Reality-Show nach Vorbild der Vergangenheit, nur in ganz anderen Dimensionen. Das Konzept ist ebenso simpel wie effektiv:

Sie entführten Menschen der zweiten Klasse von der Erde und steckten sie gemeinsam in ein Areal, ohne jegliches Wissen darüber, warum oder wo. Was für diese Menschen wichtig war: Sie haben die Chance auf eine Heimkehr, wenn sie sich allen anderen gegenüber beweisen, wenn sie zeigen, dass sie würdig sind, wenn sie alles geben, um aus der Masse zu stechen und vor allem durchhalten.

Bis zum Zwischenfall des Forschungsunternehmens war unklar, wo die Show stattfinden sollte. Doch noch während der Eindämmungsmaßnahmen auf der Insel, kam die TEC1 Leitung auf die Idee, genau dieses Areal zu nutzen. Nach dem Abbruch der Eindämmung dauerte es nicht lange, bis erste Maßnahmen zum Umbau getroffen wurden. Da sowieso nicht mehr viel fehlte, um die Insel nach einem Fleck auf der Erde aussehen zu lassen, war das schnell erledigt. Zusätzlich wurde eine riesige Mauer gebaut, um den stärker verseuchten Teil der Insel vom Rest zu trennen. Da die Stadt Samobor im weniger verseuchten Teil liegt, wurde jeglicher Zugang zur Forschungsanlage im Untergrund abgeriegelt und unscheinbar verkleidet.

Das menschliche Wachpersonal wurde abgezogen, während die Maschinen blieben. Diese wurden umprogrammiert, sie bekämpfen nun nicht mehr die Infektion, sondern alles was nicht infiziert ist. Zusätzlich wurden die Bunker- und die Vielzahl anderer militärischer Anlagen mit weiteren Infizierten geflutet.

Um sicherzugehen, das alles gut vorbereitet war, gab es einen mehrere Wochen andauernden Testlauf. Aus diesem gingen einige Erkenntnisse hervor, unter anderem, dass es immer wieder zu Durchbrüchen in Samobor und an Teilen der Mauer kam, aber auch eine äußerst positive Bilanz der ersten Zuschauer. Deshalb entschied TEC1, dass sie bereit waren. Die erste Werbung lief unter dem Motto "PrisonTV – Bis zum letzten Überlebenden".

Ab dem 29.07.2022 würde PrisonTV auf über hundert 24⁄7 Live Kanälen ausgestrahlt und im All verbreitet werden.

„Die Gesellschaft besteht aus zwei Klassen; die einen haben mehr Essen als Appetit, die anderen mehr Appetit als Essen.“

Nicolas Chamfort - ✝ 13. April 1794

Dies ist eine fiktive Geschichte, sie erklärt die Welt von PrisonTV. Nichts davon ist in der realen Welt passiert.

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